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Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler: früh absichern

Von Stefan RothAktualisiert am 21. Dezember 20259 Min. Lesezeit

Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler: ab welchem Alter, was sie kostet, Schulform-Mythos und wann sich der frühe Abschluss wirklich lohnt.

Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler: früh absichern
Inhaltsverzeichnis
  1. Ab welchem Alter es überhaupt geht
  2. Was bei einem Schüler überhaupt versichert wird
  3. Die Sache mit der Schulform, ehrlich erklärt
  4. Was die BU für Schüler im Monat kostet
  5. Der wahre Wert steckt im Gesundheitszustand
  6. Die Nachversicherungsgarantie ist der Punkt, auf den ich achte
  7. Springt die staatliche Rente bei Berufsunfähigkeit ein?
  8. Wann eine andere Police besser passt

Ein Vater rief mich letztes Jahr an, ziemlich aufgelöst. Seine Tochter hatte mitten im Abi eine Knie-OP hinter sich, und irgendwer hatte ihm gesagt, danach gebe es keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr. Die OP war gut verlaufen, die Diagnose stand aber jetzt in der Akte. Hätte er ein Jahr früher abgeschlossen, wäre das kein Thema gewesen. So mussten wir einen Ausschluss fürs Knie hinnehmen. Um genau dieses Zeitfenster geht es bei der Schüler-BU. Die meisten Familien merken erst, dass es offen war, wenn es sich gerade geschlossen hat.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler wirkt verfrüht. Das Kind hat ja noch keinen Beruf. Und trotzdem halte ich sie in vielen Fällen für die schlauste Police, die man in diesem Alter überhaupt abschließen kann. Nicht wegen des akuten Schutzes. Wegen des Preises und des Gesundheitszustands, den man festschreibt.

Ab welchem Alter es überhaupt geht

Die Altersgrenzen sind von Gesellschaft zu Gesellschaft verschieden, und das wird selten sauber erklärt. Die meisten Versicherer nehmen Schüler ab dem zehnten Geburtstag. Ein Anbieter, die LV 1871, geht aktuell schon ab sechs Jahren. Auf der anderen Seite steigen mehrere bekannte Häuser, darunter die Hannoversche, die WWK oder Canada Life, erst ab 15 ein.

Diese Spanne ist kein Zufall. Je jünger das Kind, desto schwerer lässt sich abschätzen, in welche Richtung es beruflich geht, und desto vorsichtiger sind die Kalkulationen. Praktisch heißt das: Vor dem zehnten Lebensjahr findet man kaum eine echte BU, und richtig sinnvoll wird sie nach meiner Erfahrung erst, wenn ein paar Dinge feststehen. Dazu gleich mehr.

Was bei einem Schüler überhaupt versichert wird

Solange das Kind zur Schule geht, sichert der Vertrag keine Berufsunfähigkeit ab, sondern die Schulunfähigkeit. Die Versicherer formulieren das so: Geleistet wird, wenn der Schüler voraussichtlich sechs Monate am Stück nicht zur Schule gehen kann, gemessen am Alltag eines gesunden Kindes gleichen Alters. Bei guten Tarifen reicht es, wenn er die Hälfte der üblichen Schulzeit nicht schafft. Tritt das ein, fließt die vereinbarte Monatsrente, meist 1.000 Euro.

Der eigentliche Trick steckt im Übergang. Sobald der Schüler eine Ausbildung oder ein Studium beginnt, wird aus dem Schulschutz automatisch eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung. Ab da gilt, was auch für Erwachsene gilt: Es wird gezahlt, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr möglich ist. Dieser Wechsel passiert ohne neue Gesundheitsfragen. An dieser Stelle entscheidet sich, ob sich das Ganze gelohnt hat.

Die Sache mit der Schulform, ehrlich erklärt

Hier muss ich einem hartnäckigen Halbwissen widersprechen, das in fast jedem Ratgeber steht. Angeblich zahlt der Gymnasiast deutlich weniger als der Hauptschüler, weil der Versicherer dem einen den Bürojob und dem anderen das Handwerk unterstellt.

Daran ist ein historischer Kern wahr, aber für die meisten heutigen Tarife stimmt es so nicht mehr. Der Punkt ist: Bei einer BU zählt der Beruf, der zum Zeitpunkt des Abschlusses oder spätestens beim Wechsel in Ausbildung und Studium eingetragen wird. Solange das Kind noch Schüler ist, hat es schlicht keinen Beruf. Mehrere große Gesellschaften stufen deshalb alle Schüler in dieselbe, sehr günstige Gruppe ein, egal ob Gesamtschule oder Gymnasium. Finanztip schreibt dazu trocken, die Schulform mache beim Beitrag kaum einen Unterschied. Das deckt sich mit dem, was ich in den Vergleichsrechnern sehe.

Es gibt Ausnahmen. Einzelne Versicherer staffeln noch nach Schulform oder fragen den Wunschberuf ab. Wer dort landet, zahlt als Hauptschüler tatsächlich mehr. Aber das ist nicht mehr der Markt, sondern eine schrumpfende Minderheit. Auch Stiftung Warentest empfiehlt beim BU-Vergleich, nicht allein auf die Schulform zu schauen, sondern Tarife mit stabilem Übergang in den späteren Beruf zu bevorzugen. Mein Rat: Lassen Sie sich von dieser angeblichen Gesetzmäßigkeit nicht treiben. Wichtiger als die Schule ist, dass der Schüler heute gesund ist und der Tarif einen sauberen Übergang in den späteren Beruf mitbringt.

Was die BU für Schüler im Monat kostet

Die Beiträge sind beim Schüler niedriger als später, aber sie sind kein Almosen. Den größten Hebel haben das Alter beim Abschluss, der Gesundheitszustand und die Laufzeit. Für einen gesunden 16-Jährigen mit 1.000 Euro vereinbarter Rente und Laufzeit bis 67 sehe ich aktuell solche Größenordnungen:

Profil typischer Monatsbeitrag (1.000 Euro Rente)
gesunder Schüler, keine riskanten Hobbys 30 bis 50 Euro
Schüler mit Risikosport (Klettern, Motocross) Zuschlag, oft 10 bis 30 Prozent mehr
Schüler mit Vorerkrankung in der Akte Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung

Spannender ist der Vergleich mit dem, was derselbe Mensch ein paar Jahre später zahlt, wenn er erst als Azubi oder Student abschließt:

Abschluss als typischer Monatsbeitrag (1.000 Euro Rente)
Schüler (gesund) 30 bis 50 Euro
Jurastudent ab etwa 24 Euro
Azubi Bürokaufmann etwa 30 bis 45 Euro
Azubi Pflege etwa 70 Euro aufwärts
Azubi Maler oder Dachdecker etwa 77 Euro aufwärts

Man sieht den Sprung bei den körperlichen Berufen. Wer Maler oder Pflegekraft wird und erst in der Ausbildung abschließt, zahlt schnell das Doppelte bis Dreifache eines Schülerbeitrags. Und genau das ist der Punkt: Der frühe Abschluss friert nicht nur den günstigen Beitrag ein, sondern auch die günstige Einstufung. Wer als gesunder Schüler unterschreibt und später Dachdecker wird, behält den Schülerpreis. Über 40 Jahre Laufzeit summiert sich das auf einen fünfstelligen Betrag, den man spart, ohne es täglich zu merken.

Ein praktischer Hinweis noch, den kaum jemand erwähnt: Viele Tarife bieten anfangs einen reduzierten Beitrag, der erst nach einigen Jahren auf den vollen Wert steigt. Für eine Familie mit knapper Kasse ist das ein Weg, früh einzusteigen, ohne sich zu überheben. Man sollte nur wissen, dass der Beitrag später anzieht, und das nicht für eine dauerhafte Ersparnis halten.

Der wahre Wert steckt im Gesundheitszustand

Den Preis kann man ausrechnen, den eigentlichen Hebel nicht. Eine BU wird beim Abschluss anhand von Gesundheitsfragen kalkuliert. Wer mit 15 kerngesund ist, bekommt sauberen Schutz ohne Zuschläge und ohne Ausschlüsse. Wer mit 24 schon eine dokumentierte Therapie wegen einer Angststörung, eine ADHS-Medikation oder eine Reihe von Physio-Verordnungen wegen des Rückens in der Akte hat, zahlt Aufschläge, bekommt Teilbereiche ausgeschlossen oder wird ganz abgelehnt. Welche Erkrankungen am häufigsten zur Berufsunfähigkeit führen, zeigt die Berufsunfähigkeits-Statistik nach Ursachen anschaulich.

Das ist keine Randerscheinung. Psychische Erkrankungen sind heute mit Abstand der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit, je nach Statistik rund ein Drittel der Leistungsfälle. Und bei Jugendlichen sind Diagnosen wie Depression und Angststörung in den letzten anderthalb Jahrzehnten spürbar häufiger geworden. Ein einziger dokumentierter Therapieblock in der Pubertät kann den späteren Abschluss zur teuren oder unmöglichen Sache machen. Wer früh unterschreibt, sichert sich den Zustand “noch nichts in der Akte”, und zwar dauerhaft. Wie man die Gesundheitsfragen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung richtig beantwortet, ist deshalb ein eigenes Thema.

Deshalb der Fall vom Anfang. Es war nicht das Knie, das den Vater geärgert hat. Es war, dass das offene Zeitfenster zugefallen war, ohne dass jemand es genutzt hatte.

Die Nachversicherungsgarantie ist der Punkt, auf den ich achte

Ein Schüler braucht keine 3.000 Euro Rente. Er hat kein Einkommen, das er ersetzen müsste. Also startet man niedrig, mit 1.000 Euro, manchmal etwas mehr. Damit das später trotzdem passt, muss die Police eine starke Nachversicherungsgarantie haben. Sie erlaubt, die Rente zu bestimmten Anlässen ohne neue Gesundheitsfragen zu erhöhen.

Worauf es dabei ankommt:

  • Ereignisse ohne erneute Prüfung: Berufseinstieg, Gehaltssprung, Heirat, Geburt eines Kindes, Hauskauf. Je mehr Anlässe, desto besser.
  • Maximalrente: Bis wohin darf erhöht werden? Gute Tarife erlauben 2.500 bis 3.000 Euro, manche mehr.
  • Fristen: Die Erhöhung muss meist innerhalb weniger Monate nach dem Ereignis beantragt werden. Wer die Frist verpasst, verliert die Option.
  • Ereignisunabhängige Erhöhung: Manche Tarife lassen alle paar Jahre eine kleine Anhebung ganz ohne Anlass zu.

Ein Vertrag mit schwacher Nachversicherung ist für einen Schüler fast wertlos, weil die niedrige Startrente nie zum echten Einkommensbedarf aufschließt. An dieser Stelle fallen billige Online-Tarife oft durch.

Springt die staatliche Rente bei Berufsunfähigkeit ein?

Nein – wer nach 1961 geboren ist, hat keinen Anspruch mehr auf eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Es gibt nur noch die Erwerbsminderungsrente, und die greift erst, wenn man auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt praktisch gar nicht mehr arbeiten kann, egal in welchem Beruf.

Eltern fragen mich oft, ob es das alles braucht, der Staat zahle doch im Ernstfall. Hier ein nüchterner Blick, weil er in den meisten Schüler-Ratgebern fehlt: Die gesetzliche Absicherung bei Berufsunfähigkeit wurde für alle, die nach 1961 geboren sind, abgeschafft.

Für jemanden, der zu Beginn des Berufslebens steht, kommt noch ein zweites Problem dazu. Die volle Erwerbsminderungsrente setzt in der Regel voraus, dass man fünf Jahre versichert war und davon drei Jahre Beiträge gezahlt hat. Ein 20-Jähriger, der gerade erst angefangen hat zu arbeiten, erfüllt das oft noch gar nicht und steht im Ernstfall mit leeren Händen da. Genau diese Lücke schließt die private BU, und sie ist bei einem jungen Menschen besonders groß. Die genauen Voraussetzungen und Berechnungsgrundlagen erklärt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Website.

Wann eine andere Police besser passt

Ich verkaufe die Schüler-BU nicht jedem. Bei jüngeren Kindern, sagen wir bis etwa zwölf, ist der akute Nutzen gering, und es gibt günstigere Wege, das Kind selbst abzusichern. Eine Kinderinvaliditätsversicherung zahlt schon bei schwerer Behinderung durch Krankheit oder Unfall, unabhängig vom späteren Beruf, und kostet deutlich weniger. Wer das Kind heute schützen will, ist damit oft besser bedient. Einen ausführlichen Vergleich beider Ansätze bietet der Artikel zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder.

Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine weitere Alternative. Sie leistet, wenn bestimmte Fähigkeiten wegfallen, etwa Gehen, Sehen, Sitzen, die Hände gebrauchen. Sie ist billiger als die BU, deckt psychische Ursachen aber meist schwächer ab. Für einen Schüler, der später ins Büro will, halte ich die echte BU für die bessere Wahl, weil dort gerade das psychische Risiko zählt. Für ausgesprochen handwerkliche Profile mit knappem Budget kann die Grundfähigkeit ein vertretbarer Kompromiss sein.

Von der reinen Schulunfähigkeitsversicherung, die manchmal als günstige Alternative angeboten wird, rate ich dagegen meist ab. Sie endet, wenn die Schule endet, und genau dann braucht der junge Mensch den Schutz erst richtig. Sie löst das eigentliche Problem nicht, nämlich den Übergang in den Berufsschutz mit eingefrorenem Gesundheitszustand.

Wer jetzt prüfen will, ob das Fenster noch offen ist, beantwortet zwei Fragen ehrlich. Steht in den letzten fünf Jahren etwas in der Patientenakte, also Therapie, OP, regelmäßige Medikamente? Und wie wahrscheinlich ist ein körperlicher Beruf? Fällt die erste Antwort sauber aus und die zweite eher Richtung Handwerk oder Pflege, sollte man nicht bis zur Ausbildung warten. Dann wird es teuer, und manchmal geht es gar nicht mehr. Wer bereits Einträge in der Akte hat, findet im Artikel zur Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Vorerkrankungen, welche Optionen trotzdem bestehen.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ein Schüler eine BU abschließen?+

Die meisten Versicherer nehmen Schüler ab dem zehnten Geburtstag, ein Anbieter geht ab sechs Jahren. Mehrere Gesellschaften steigen erst ab 15 ein. Bis zum Beginn von Ausbildung oder Studium wird die Schulunfähigkeit versichert, danach schaltet der Vertrag ohne neue Gesundheitsprüfung auf den echten Berufsschutz um.

Was kostet eine BU für einen Schüler im Monat?+

Für 1.000 Euro Monatsrente zahlt ein gesunder 16-Jähriger meist zwischen 30 und 60 Euro mit Laufzeit bis 67. Der Beitrag hängt vor allem vom Alter, vom Gesundheitszustand und von der Laufzeit ab, weniger von der Schulform, als oft behauptet wird.

Spielt die Schulform für den Beitrag wirklich eine Rolle?+

Bei vielen modernen Tarifen kaum noch. Entscheidend ist der Beruf, der bei Ausbildungs- oder Studienbeginn eingetragen wird, nicht die Schule davor. Einzelne Versicherer staffeln noch nach Schulform, aber der große Preisunterschied, von dem man oft liest, ist heute eher die Ausnahme.

Was passiert mit dem Vertrag nach der Schule?+

Mit Beginn von Ausbildung oder Studium wird aus dem Schulschutz automatisch eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung. Über die Nachversicherungsgarantie lässt sich die Rente dann ohne erneute Gesundheitsfragen erhöhen, etwa bei Berufseinstieg, Gehaltssprung oder Familiengründung.

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